Ich habe geschlafen wie ein Bär: über 9 Stunden; und das auf meiner alten Iso-Matte aus den 80igern: die ist unverwüstlich. Also ganz flach auf dem Boden: geht noch sehr gut!
Die Nacht war wieder sehr windstill und deshalb feucht. Obwohl ich das Innenzelt etwas offen gelassen habe, gibt es bei der Wetterlage immer noch Kondenswasser. Das Außenzelt wollte ich wegen Mücken nicht öffnen….Ich denke, dass der Premium-Tentmaker Hilleberg hier nicht das optimale 1-Personen-Zelt konstruiert hat.
Heute habe ich Zeit; die Rückfahrt über den Wattenweg habe ich wie gestern gegen 11 Uhr geplant: also viel Zeit zum Trocknen des Zelts. Und mein Zeltplatz auf Rømø ist vorgebucht und schon bezahlt.
Zum Frühstück habe ich gestern einen von diesen wunderbaren, dänischen 1-Liter-Joghurts erstanden (Birne-Banane: lecker!), den ich mit mitgebrachten Haferflocken und Granola mische: lecker!
Als ich den Müll wegbringe (außerhalb des Geländes), hält ein Autofahrer an und preist noch meine Leistung, mit dem Fahrrad gekommen zu sein. Er selber hätte das auch einmal gemacht, allerdings mit einem Fat-Bike.
ACHTUNG: Highlight des Tages: er sprach dänisch und ich habe es verstanden!!!
Wir sprachen dann auf deutsch weiter. Er guckte auf seinem tablet auf die Gezeitentabelle und sagte, da sei kein Wasser mehr auf der Straße, erst heute Abend um 20 Uhr würde sie 5 cm unter Wasser stehen.
Also starte ich doch schon um 9.30 Uhr. Beim Brugsen kann ich - nach 2 Tagen ohne - eine Tasse (schlappen) Kaffee erstehen: Aah! Die Straße kann kommen.
Zurück scheint mir der ganze Weg viel einfacher als gestern: ich bin ausgeruht, der Wind war in meinem Rücken und eigentlich sind nur 1,5 km hartes Schieben. Nach 10 km bin ich wieder auf dem Festland und steuere Vester Vedsted an: dort habe ich ein Café identifiziert, das um 11 Uhr aufmacht. 15 Minuten bis zu Öffnungszeit muss ich warten und werde dann aufs freundlichste begrüßt. Ich ordere Kaffee und einen Toast….. Dieser Ort ist so schön mit den zaunlosen, großen Grundstücken und den großen Bäumen darauf, der lauen Luft und dem Duft des allgegenwärtigen Flieders, der gerade blüht und seinen Duft verführerisch um meine Nase wehen läßt: ich fange an zu träumen und vergesse die Zeit. Herrlich! So muß Radreise sein!

Nach dieser Traumpause wird es aber wieder anstrengend: ich kämpfe mich auf einem Gravelweg zurück zum Deichverteidigungsweg. Dieser ist dann ja gottseidank durchgehend befestigt ist. Außerhalb des baumbestandenen Ortes bläst der Wind wieder heftig und fast von vorn. Trotzdem habe ich heute zum leichten Pedalieren gefunden: intelligent, wie ich bin, habe ich einfach zwei Gänge heruntergeschaltet und die Trittfrequenz verringert. Ich habe ja Zeit! Und so habe ich den Gegenwind ausgetrickst!!!
Hier am Deich ist wieder die große Ruhe: ein Genuss! Nur ich und die See- und Wasservögel! Ich vergesse Zeit und Raum!
Später lerne ich Selma kennen, die ihrem Herrchen voraus eilt. Mit Selbigem halte ich ein kleines Schwätzchen.
Später muss ich mehr ins Landesinnere abbiegen. Über Rømø liegen - wie in der WetterApp angekündigt - dunkle Regenwolken, die mich hier aber verschonen.
Aber als ich dann den Rømødamm entere, muss ich doch die Regenjacke herausholen. Der Damm hat einen Seitenstreifen für Fahrräder. Aber mit der Ruhe jedoch ist es nun vorbei: ein endloser Strom von Autos in Autobahngeschwindigkeit düsen an mir vorbei. Zusammen mit dem Gegenwind macht das keinen Spaß. Und der Damm ist fast 10 km lang!
Aber dann: als ich mich der Insel nähere, scheint wieder die Sonne, der Wind läßt nach. Rømø empfängt mich mit zärtlichen Armen. Aber ich bin nicht der einzige Umarmte: man merkt sofort, dass Rømø eine Touristeninsel ist! Und da kommt gleich dieses weitläufige Gartencafé (Hattesgaard) mit wunderbaren (und teuren) Torten um die Ecke: das habe ich mir jetzt wirklich verdient!!
Das Aussuchen ist bei der übergroßen Tortenauswahl schwierig und die Bestellschlange hinter mir lang. Dazu muss ich mich schnell für eine French-Press-Kaffeekanne entscheiden….ich bin etwas überfordert und nehme die mittlere (natürlich zuviel Kaffeeinhalt!). Später sitze ich am Tisch und der Kaffee schmeckt wun-der-bar. Als meine Hand zur dritten Tasse zuckt, denke ich mir: das wirst Du heute Abend bereuen..
Der Camping Komandørgaarden ist eine riesige Ferienanlage mit Hotel, Reiterhof, Hütten, Wohnmobilplätzen und auch Zelten: alles andere als kuschelig und auch schon ein bisschen in die Jahre gekommen. Aber das wußte ich ja vorher. Dafür bin ich morgen schnell am Hafen für die Fähre nach Sylt.
Ich frage mich nur, warum die junge Dame an der Rezeption mir die Außenduschen mit Blick zum Wattenmeer so eindringlich empfohlen hat…
Zum Abendessen finde ich am Hafen noch ein Resto: Convenience auf sehr gutem Niveau. Und wieder das leckere Bier der Vadehavs Bryggeri dazu.
P.S.
Jetzt noch ein Nachtrag zum Campingplatz:
Ein Waschhaus ist geschlossen, Renovierung bis Ende Juni angekündigt. Ein Wiederholercamper sagte mir dann allerdings, dass das letztes Jahr auch schon angekündigt war.
Aber es gibt ja noch ein anderes Waschhaus.... Allerdings mit einer knappen Anzahl an Duschräumen für die Größe der Anlage. Ich finde auf der Rückseite noch Räume mit Klo und Dusche. Es riecht penetrant nach Desinfektionsmittel. Die erste Dusche ist mir zu versifft, die zweite dann ganz okay. Ich mache mich also bereit, treck mi umständlich ut und drehe dann den Wasserhahn auf: ein dünnes Rinnsälchen, das dazu trotz geduldigem Warten einfach nicht warm wird. 😡🤬 Eine Dauercamperin - bereits alkoholseelig - verrät mir, dass man doch immer zuallererst das Wasser prüfen müsste....
Daraufhin habe ich mir mal die Bewertungen der Anlage angesehen: grottig!
Man sieht hier zu viele Zeichen von Vernachlässigung; das bedeutet: zu wenig Personal, das sich kümmert und wohl zu wenig Geld, Dienstleistungen dazu zu kaufen: das riecht nach drohender Insolvenz…..